Pressebericht 22.10.2016

Vom Bauernhof zum Musikerheim

 

10 000 Stunden haben die Oerlenbacher Musikanten an ihrem Musikerheim gewerkelt. Es ist ein gelungenes Beispiel für Ortskernbelebung.

Viele fleißige Hände haben in Oerlenbach den ehemaligen Bauernhof in ein Musikerheim verwandelt. Hier wird das Fachwerk ausgemauert. Foto: Stefan Geiger Leer stehende Gebäude vor allem in den Ortskernen wieder mit Leben zu erfüllen, das ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Die zehn Mitgliedsgemeinden des Oberen Werntals haben sich dazu vor ein paar Jahren in der sogenannten „Oerlenbacher Erklärung“ verpflichtet. Praktische Beispiele in der Umsetzung können am „Tag der Innenentwicklung“ am Wochenende besichtigt werden. Mit dabei ist das Musikerheim im Hannbusch in Oerlenbach. Der einstige Bauernhof im Altdorf aus dem Jahre 1896 stand 2009 zum Verkauf an. Die landwirtschaftliche Nutzung war längst aufgegeben. Für die Besitzerin bestand keine Eigenverwendung mehr. Die Gemeinde erwarb das Anwesen mit der angrenzenden Wiese, um gegebenenfalls eine Bebauung im Altort zu ermöglichen. Nachdem das Gebäude in der Folgezeit nicht genutzt wurde, sah der Musikverein seine Chance auf ein eigenes Domizil. Die Musiker probten im Pfarrheim, das sie sich mit weiteren Gruppen teilen mussten. Bereits zuvor hatte die Gemeinde in den beiden Ortsteilen Ebenhausen und Rottershausen Musikerheime gebaut. Beide Projekte erhielten über die Städtebauförderung Zuwendungen. Vor diesem Hintergrund vereinbarten Gemeinde und Musikverein ein Konzept, das sich an den Vorgängerlösungen orientierte.

Nur mit viel Eigenleistung möglich

Architekt Burkard Kuhn erstellte zusammen mit dem Verein das Um- und Ausbaukonzept. Von Beginn an war klar, dass nur mit viel Eigenleistung das Projekt zu stemmen war. Am 31. Mai 2010 starteten die Arbeiten. Helfer räumten das massive Wohnhaus mit 36 Zentimeter starker Backstein- und davor gesetzter Muschelkalkmauer aus, brachen Zwischenwände heraus, entfernten Teile der Decke und beseitigten Anbauten. Im Obergeschoss musste die Zwischendecke weichen; denn hier entstand später der große Probenraum. Weichen musste auch die ehemalige Scheune, während der Nebentrakt als Abstellbereich erhalten blieb. Am Wohnhaus selbst wurde ein Anbau als Treppenaufgang und für WC-Anlagen angefügt. Von Beginn an konnte sich der Verein auf eine zuverlässige Stammhelfermannschaft von zehn bis zwölf Personen stützen. Großen Wert legte der Verein auf Dämmung und Isolierung, um Energiekosten und Schallemissionen niedrig zu halten. Wasser-, Abwasser-und Elektroleitungen wurden neu verlegt sowie Haustüre, Fenster und Ständerwände eingebaut. Viel Staub und Dreck mussten die Helfer in Kauf nehmen. Doch sie ließen nicht locker, ihr Ziel zu erreichen. Dass sie es nicht bis zum 50. Vereinsjubiläum im Sommer 2012 schafften, störte nicht. Aber bereits im November 2012 konnte die erste Probe stattfinden. Mit kirchlicher Segnung und „Tag der offenen Tür“ wurde das Heim im Juni 2013 offiziell seiner Bestimmung übergeben. Weitere Arbeiten an Nebentrakt und Hoffläche rundeten inzwischen das Projekt ab. Zentrum des Musikerheims ist im Obergeschoss der große Probenraum, zwölf Meter lang, acht Meter breit und fünf Meter hoch. Gemäß eigens eingeholtem Schallschutzgutachten erfolgte die Isolierung mit zwölf Zentimeter starken Dämmplatten und acht Zentimeter Hanfschicht, die das Haus rundum einpacken. Geheizt wird mit acht Infrarotstrahlern. Eine kleine Küchenzeile sowie 15 Klapptische und 90 Stühle stehen bei Vereinsversammlungen zur Verfügung.

Platz für Feste und Feiern

Im Erdgeschoss werden die Gerätschaften gelagert. Außerdem befinden sich dort ein kleinerer Probenraum sowie ein Raum für Uniformen und eine Küche. Der Nebentrakt kann weitere Utensilien aufnehmen. Die Innenzone des einstigen Dreiseithofs ist idealer Platz für das Sommerfest und die Adventsfeier. Die Gemeinde hat die Kosten für das Material und die Fachfirmen übernommen. Die Mitglieder brachten 10 000 Arbeitsstunden ein. Der Verein schaffte vor allem die Einrichtung an und erhielt Unterstützung von Sponsoren. Zur Info Geöffnet Am Tag der Innenentwicklung, am Samstag, 15., und Sonntag, 16. Oktober, sind in den Allianzgemeinden im Oberen Werntal verschiedene Objekte geöffnet. Das Oerlenbacher Musikerheim kann nur am Sonntag, 16. Oktober, von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Musikverein bewirtet die Gäste mit Kaffee und Kuchen. Die Firma Klaus Saalmüller steht für Fragen zur Infrarotheizung zur Verfügung.

Quelle: Mainpost, 22.10.2016

 

 

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